Was ist eigentlich Salsa?
Salsa gewinnt jeden Tag hunderte neuer Fans in
Deutschland. Aber wo kommt dieser Tanz her? Wo will er hin? Und
überhaupt? Hier eine kleine Reise in die Geschichte des Tanzes
...
Salsa
ist einer der jüngsten populären Tanzstile. Seine Wurzeln
gehen zwar zurück bis in die Kolonialzeit Kubas, aber so wie
wir Salsa heute kennen wird er erst seit einigen Jahrzehnten getanzt.
Als im 18. Jahrhundert in der Karibik Streit zwischen spanischen
und franazösischen Kolinialherren herrschte, war Kuba ein willkommenes
Exil sowohl für die europäischen Siedler mit ihren Gesellschaftstänzen
als auch für deren Sklaven, die ihre eigene rhytmische Kultur
aus Afrika mitbrachten. So vermischten sich bereits zu dieser Zeit
Trommel- und Tanztraditionen - mit sehr kreativer Körpersprache
- und die eher steifen eurpoäischen Tänze. Allzuviel körperliche
Ausdruckskraft war zwar in "höheren Kreisen" verpönt,
aber ein erster Brückenschlag war gelungen. Einer der neu entstandenen
Paartänze war der Danzòn. Vermischt mt Einflüssen
der Rumba entstand eine neue Stilart: Der Son. Damit war es erstmals
möglich, daß Schwarze und Weiße miteinander tanzten.
Schon immer gab Kuba dem Herzschlag der lateinamerikanischen
Musik seinen Takt vor. Hier trafen alle Stilarten und Richtungen
aufeinander. Diese Sonderrolle hat sich Kuba bis heute erhalten:
In dem Lied „Mi Salsa Cubana“ von Septeto Raison heißt
es: „…im kubanischen Salsa-Topf köcheln son,
mambo, guaguancó und chachachá vor sich hin und verbreiten
einen unwiderstehlichen Duft.“
In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts schwappte
der Danzon von Kuba aus in die Vereinigten Staaten. Zusammen mit
Spielarten des Jazz - besonders Louisiana Jazz und Bebop - hielt
die lateinamerikanische Rhytmik Einzug in die Welt der Bigbands.
Ende der 1940er Jahre war New York Hochburg des Latin Jazz. Tito
Puente, José Curbelo und Tito Rodriguez sind die großen
Namen dieser Zeit, deren Stücke sich bis heute in den angesagtesten
Clubs behaupten.
Zur gleichen Zeit tourte der Kubaner Dámaso
Pérez Prado von Mexico aus die amerikanische Westküste
entlang. Im Gepäck sein Stück "Qué Rico Es
El Mambo", das 1949 überraschend erfolgreich war: Nur
wenige Mambo-Songs hatten bis dahin derartiges Aufsehen erregt.
Nun "missionierte" Pérez Prado den Westen Nordamerikas
mit lateinamerikanischen Rhythmen. So kam schließlich auch
der Mambo in den USA zu größerer Bekanntheit. Wieder
zurück an der Ostküste geht die (Vor-)Geschichte des Salsa
1955 in die nächste Runde: Mit dem Übernachterfolg einer
langsamen Variante des Mambo in New York. Der ChaChaCha war geboren.
Ende der 50er Jahre waren die USA durchdrungen
von Tänzen und Rhythmen aus Lateinamerika. Dann kam diese Entwicklung
zu einem kurzzeitigen jähen Ende. Grund war zum einen, dass
Kuba und dessen Kultur nach der Kuba-Krise als Bedrohung empfunden
wurden. Kuturelle Einflüsse wurden unterbunden, so weit dies
möglich war. Selbst große, gut laufende Tanzpaläste
mussten schließen. Zum anderen gab es in der Musik eine neue
Entwicklung, die vor allem bessere Vermarktungschancen bot: Der
Rock'n'Roll. Mit den Beatles gab es die ersten internationalen Superstars.
Sie zogen alle Aufmerksamkeit auf sich und zwangen ChaChaCha, Rumba,
Mambo und Danzón eine neue Richtung auf. Um bestehen zu können,
mussten die Macher auch Elemente der Rockmusik einflechten, was
über den Boogaloo später zum Salsa führte.
Das
Kind vieler Eltern war geboren und brauchte nun aber noch einen
Namen! Das populäre Tanzstück "Échale Salsita"
des Komponisten Ignacio Piñerio von 1933 gab wohl den Ausschlag
für die Namensgebung. Die Kurzform "Salsa" (steht
eigentlich für "schafre Soße") verselbständigte
sich im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzenhnte zunächst
als Anfeuerungsruf für die Tänzer und später auch
als Bestandteil im Namen der Stücke. So begrüßte
der legendäre Benny Moré die Gäste seiner Show
in den 50er Jahren allabendlich mit "Hola Salsa!". In
den 70er Jahren wurde der Salsa schließlich nur noch unter
diesem Namen getanzt und vermarktet.
„Unsere Musik ist nichts anderes als
der Ausdruck unserer Art zu lieben, zu hassen, zu fühlen, die
alltägliche Existenz zu leben, ohne Schutz zu sein, voll von
Sonne, Wind und Meer, einem Horizont und einem weiten Himmel, herrlich
blau, der uns einhüllt mit unserer wahrhaftigsten Hoffnung
der Karibik."
[Domingo Alvarez]
Man sollte diesen fantastischen Tanz nicht an geschichtlichen
Ereignissen festmachen. Salsa ist kein Tanz, der von Choreographen
entwickelt wurde. Er ist vielmehr eine spontane Kreation, die aus
der Phantasie und der Lebensenergie der Menschen auf deren Straßen
entstanden ist. Eine Vielzahl von verschiedenen Tänzen und
Rhythmen führten zur Entstehung der Salsa.
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